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Aluminium- Dickdraht- Schweißen

 

Die MIG- Schweißung von Al-Legierungen
Verfasser: Dr. W. Mantel, München

Veröffentlichung Linde AG Werksgruppe München "schweißtechnik- Hinweise für die Praxis X 65/1

Im Folgenden die wichtigsten Punkte, zusammengestellt von Michael Schaumann

 

I. Allgemeines

"Das Vertrauen, das man der Zuverlässigkeit von MIG- Schweißungen an Al- Legierungen entgegenbringt, ist heute in der Praxis noch nicht sehr groß.

Man fürchtet immer noch das Auftreten schwerer Porigkeit und weiß, dass sich sehr leicht Risse und Gefügefehler ausbilden".

(Das ist sicherlich besser (2009) geworden durch modernste Schweißanlagen)


II. Die Porenanfälligkeit

Leichtmetalle sind wohl deshalb besonders porenanfällig, weil der geringste Hauch von Sauerstoff die Schmelze mit einer dichten und zähen Haut abschließt.

Hierdurch wird verhindert, dass Gase, die sich beim Erstarren ausscheiden, nicht ohne weiteres abgestoßen werden können...Hauptursache für Poren sind Wasserstoff und Stickstoff. ...

Porenfreies Schweißen verlangt deshalb vor allem peinliche Sauberkeit in der Nahtumgebung und am Draht.

Die Empfindlichkeit von Leichtmetall ist um in Vielfaches größer als die von Stahl....
Am besten wirkt eine gut entfettete, von Feuchtigkeit freie, mit der Bürste gerauhte Stückfläche.

Deshalb gehören der Autogenbrenner zum Anflämmen und die Stahldrahtbürste zur Ausrüstung des Leichtmetallschweißers.

Stickstoff ist viel häufiger Porenursache als gemeinhin angenommen wird.
Bereits Beimengungen von 0,5% N2 zum Schweißargon rufen bei Al- Legierungen
schwere Porigkeit hervor.

Das bedeutet, dass das Schutzgas in möglichst reiner Form und mit großer Sorgfalt ausströmen muss.

Am sichersten wird die durch folgende Maßnahmen erzielt:

  1. Dichte Zuleitungen und gasdichte Brenner. Jede Undichtheit lässt während der Schweißpausen Luft in das Zuleitungssystem eindringen.

    Kurzzeitiges Vorströmen bzw. kurzzeitiges Schweißen auf einem Hilfsstück nach längeren Schweißpausen sind empfehlenswerte Maßnahmen gegen N2-Porosität

  2. Beim MIG- Schweißen von Leichtmetall soll man mit Schutzgas nicht sparen;

    für das Verschweißen mit Draht mit 1,6 mm und mehr sind 15 l/min nicht mehr ausreichend

  3. ....es ist darauf zu achten, dass zwischen Düse und Nahtflanke keine Injektorwirkung eintritt, die Luft ansaugt und in den Schutzgasmantel eindringt.

    Weite Düsen und geringe Gasausströmgeschwindigkeiten sind empfehlenswerter
    als enge Düsen und schneller Gasstrom.

    Außerdem prüfe man die Ausströmdüsen so oft als möglich auf ihre
    zentrale Lage zum Schweißdraht und auf Sauberkeit. Verlegungen der Düsenöffnung mit Spritzern zerstören die Gleichmäßigkeit des
    Schutzgasstromes.

Die Schweißstellen sind bei Leichtmetall vor kräftiger Zugluft zu schützen.
Die Diffusionsgeschwindigkeit von N2 in Argon ist groß.

...Die Bedeutung des Drahtes, seiner Oberfläche, Maßgenauigkeit, Rundheit und Geradheit, kann nicht genug hervorgehoben werden...

Bei gut leitenden Al- Sorten wie Al99,8, Al99,5 und Al99 genügt oft die Kraft des Lichtbogens nicht, um dickere Teile ausreichend anzuschmelzen.
In Berührung mit der ungeschmolzenen Oberfläche wird der Lichtbogen sehr hart,
erzeugt Dampfausbrüche und Turbulenz.

Leicht wird hierbei die Schutzgashülle durchbrochen.
Mit der Luft wird Stickstoff in den Lichtbogenkern gerissen.

Die Folge sind poröse Stellen. Man muss deshalb mit allen Mitteln darauf hinarbeiten,
dass die Lichtbogenentladung gleichmäßig und ruhig verlauft. Man erkennt das am Geräusch, das der Bogen verursacht und das sich nicht laut und knatternd,
sondern wie ein gleichmäßiges Zischen anhören soll...

Bei Reinaluminium mit seiner guten Wärmeleitfähigkeit ist dies bei Querschnitten über
10 mm Dicke oft nur mit Hilfe von Vorwärmung zu erreichen.

Der Schweißer erkennt die ausreichende Vorwärmung an der am Lichtbogen eintretenden Beruhigung und an der Ebenmäßigkeit des gleichmäßig zischenden Geräusches, das in diesem Zustand zu hören ist.

Das Ohr des Schweißers hat eine wichtige Funktion im Erkennen von Anomalitäten des Schweißablaufes


III. Oxydeinschlüsse

Aluminium hat sehr große Affinität zum Sauerstoff.

Das Metall bildet an Luft in wenigen Sekunden eine die Oberfläche dicht überziehende und die weitere Oxydation hemmende Haut von Al2O3. Da Al2O3 weder im flüssigen noch im festen Aluminium löslich ist, besitzt diese Haut niemals eine feste Gefügeverbindung, sondern haftet infolge von Adhäsionskräften.

Der Schmelzpunkt von Al2O3 liegt mit ca.2300°C also weit über dem des Metalls, das je nach Zusammensetzung bei 550 bis 650°C schmilzt, so dass bei Anwesenheit der Oxydabdeckung das Ineinanderfließen der Schweißnähte verhindert würde.

Jeder Oxydhauteinschluß in der Schweiße wirkt geradezu wie eine rißartige Trennung..

Wenn also eine Verschweißung erfolgen und die Verbindung Festigkeit gegen Bruch aufweisen soll, müssen die Oxydhäute müssen im Schweißbereich vollkommen zerstört werden.

Beim MIG Schweißen bedient man sich zu diesem Zwecke des so genannten Reinigungseffektes des Lichtbogens, der an der vor Wiederoxydierung geschützten Minuspolfläche hervorgerufen wird.

Voraussetzung für das Wirksam werden des Effektes ist aber die direkte Berührung des Lichtbogens mit der Oxydhaut, wobei diese als Teil der Polfläche wirksam sein muss....

Die Bedingungen am Schweißstoß sind so zu gestalten, dass der Lichtbogen die Stoßoberfläche in ihrer ganzen Ausdehnung erreicht.
Dies zwingt in vielen Fällen dazu, besondere, vom Schweißen anderer Werkstoffe abweichende Maßnahmen zu ergreifen.

Infolge des niedrigen Schmelzpunktes von Al-Legierungen und ihrer guten Leitfähigkeit schmilzt der Werkstoff üblicherweise tiefer auf, als der Lichtbogen einbrennt.

Im Grunde der Schweißnaht bleiben deshalb zu leicht Oxydeinschlüsse eingeschlossen.

Sie wirken selbstverständlich wie Wurzelrisse.
Diese Fehlstellen sind nur dadurch vermeidbar, dass man die Durchschweißung nicht nach dem äußeren Augenschein, sondern bewusst mit dem Ziel ausführt, den Lichtbogen mit jeder oxydbehafteten Fläche der Verbindung in Berührung zu bringen.

Das wird durch eine dem Verfahren angepasste besondere Ausbildung des Schweißstoßes und der ausreichenden Stromstärke für die Wurzelschweißung erreicht.

 

 
IV. Schweißstoß und Schweißtechnik

....Enge Schweißfugen sowie nach unten offene Schweißfugen wirken ungünstig.
Die Al- Schweißung bevorzugt deshalb die spaltlose gestoßenen Schweißfuge....

Vom Wolframlichbogenschweißen her ist allgemein bekannt, dass es für das fehlerfreie Durchschweißen eine I- Stoßes von einer Seite günstig ist, die wurzelseitigen Stoßkanten zu brechen...

Diesen Effekt kann man natürlich auch beim MIG- Verfahren ausnützen. Mit dem W- Lichtbogen kann ein so vorbereiteter I- Stoß unter Umständen gegen Luft durchschweißt werden, weil der Einbrand des Wechselstrombogens in die Breite wirkt und sein Druck auf den Untergrund gering und so gleichmäßig ist, dass die auf der Wurzelseite sich bildende, geschlossene Oxydhaut nicht durchbrochen wird.

Dies ausnützend, schweißt man beim WIG- Verfahren starke Nähte sogar sehr gerne als Steignähte.

Beim MIG- Verfahren dagegen entwickelt der Gleichstrom- Lichtbogen eine Tendenz zur Konzentration im Spalt...

Wenn man deshalb gegen Luft durchschweißt, blitzt der MIG- Lichtbogen örtlich durch; wenn er dabei den Oxydhautabschluß durchbricht, wird das formende Loch von der Gegenseite her Luft angesaugt, sobald sich der Lichtbogen wieder zurückzieht.

Die Praxis spricht von Kaminwirkung. Ihre Folgen sind hässliche Löcher auf der Nahtunterseite.

Man kann sie nicht nur durch vorsichtiges Einstellen des Bogens vermeiden, sondern nur unter Zuhilfenahme von Unterlagen. Sie ermöglichen das einwandfreie Durchschweißen durch zwei verschiedene Wirkungen.

Einmal verhindern sie den Durchbruch des Bogens, zum anderen stauen sie das den Spalt durchströmende Edelgas....Auf einer geschlossenen Schweißschmelze beruhigt sich der Bogen rasch.

....Das Schweißen mit Unterlagen hat die Entwicklung einer ganz neuen Schweißtechnik verursacht. Zwei Arten von Schweißungen wurden üblich. Solche aus 18/8-CrNi-Stahl und Alu Streifen.

...Wenn I-, Y-, V-, oder X- Stoße von beiden Seiten geschweißt werden muss man aber damit rechnen, dass der Grund meist einen Oxydeinschluß aufweist.

Bei hochwertigen Nähten hat man sich auch bei Aluminium an das Auskreuzen der Nahtwurzel gewöhnt und erreicht durch diese Maßnahme große Sicherheit bezüglich Fehlerfreiheit.

Bei I- Nähten
wird im Gegensatz zu Schweißstößen für den Wolframlichtbogen empfohlen, die Stoßkanten nicht allein wurzelseitig, sondern auch an der Oberseite zu brechen.

Die schmale Fuge stellt für den Schweißer eine Markierung dar, die es ihm erlaubt, seine Schweißrichtung genau einzuhalten.

Da die Breite des MIG- Lichtbogens in Argon oft nur sehr gering ist, kann dies ein wichtiges Hilfsmittel sein, Durchschweißfehler zu vermeiden.

 

MIG-Hochstromtechnik- HilfsunterlagenMIG-normale Mehrlagentechnik mit Nase; Spalt geschlossen;Hilfsunterlagen
MIG und WIG, eingespannter Stoss; Hilfsunterlage aus austenitischem Stahl, unmagnetisch;schlechter wärmeleitend, hoher Schmelzpunkt; geringe LegierungstendenzMIG und WIG; Stoß mit bleibender Unterlage; Spalt geöffnet; Lichtbogen muß Unterlage erfassen.


V. Verfahrenstechniken

..Die Praxis kennt heute vier verschiedene Arten, die sich klar unterscheiden lassen:

Das Dünndrahtschweißen

..Bei der Verarbeitung von Leichtmetallen wird wohl selten ein ausgesprochener Kurzlichtbogen verwendet...Vielmehr wird ein kurzer Sprühlichtbogen bevorzugt.

Man führt das Verfahren mit Drähten von 0,8 bis 1,2 mm aus und verwendet Stromstärken von 80-150 A bei 21 bis 24 V Schweißspannung.

Als Nahtvorbereitung wird der I- Stoß ohne Spalt bevorzugt. Das Verfahren eignet sich für 2 bis 5 mm Wanddicke. Vor allem erhält man mit ihm schöne Kehlnähte.

Die kurzschlußfreien Schweißlichtbögen

Das normale MIG- Lichtbogenschweißen mit kurzschlußfreien, langen Lichtbogen und feintropfigen Werkstoffübergang wird auf zwei verschiedene Arten ausgeführt, wenig oberhalb der kritischen Stromstärke und mit dem Hochstrombogen.

Der normale MIG- Bogen

Im erstgenannten Fall wird mit den Durchmessern 1,2; 1,6 und 2,4 mm geschweißt. Die Variation von Strom und Spannung wird innerhalb nachstehender Grenzen gehalten:

1,2 mm

1,6 mm

2,4 mm

180-240 A

240-300 A

280-380 A

24-26 V

25-28 V

26-29 V

Der Bogen wird dabei so schnell weiterbewegt, dass ein Vorlaufen der Schweißschmelze unterbleibt...Dieser normale MIG- Bogen eignet sich für Werkstoffdicken bis 6 mm zum Durchschweißen von nicht angefasten I- Stößen.

 ....Der richtig arbeitende Bogen wurde nur mittels der Vorwärmhöhe einreguliert. Ohne Vorwärmung erzeugte der Lichtbogen tiefe Löcher, kräftige Qualmbildung und knatternde Geräusche (siehe Bilder 4 + 5 unten).

Das vom Elektrodendraht abgeschmolzene Material lag wurstartig und schlecht gebunden auf der schmalen, unregelmäßigen Einbrandfuge.

Beim Vorwärmen von 300°C beruhigt sich im untersuchten Fall der Vorgang; Qualmbildung und harte Geräusche dämpften sich und ein klar sichtbarer Schweißfluß bildete sich aus, mit welchem der gleichmäßig zischende Lichtbogen fest verbunden schien.

 

Ohne Vorwrmung- Bild 4 mit Vorwärmung- Bild 5 -seine Bedeutung!

 
Der Hochstrombogen

Beim Hochstrom- Lichtbogenschweißen werden Drahtbelastungen benützt, die bei der oberen Grenze der in der obigen Tabelle angegebenen Stromwerte und etwas darüber liegen.

Außerdem werden für dickere Bleche auch Drähte von 3,2 und 3,6 mm verwendet, wobei bis 650 A Schweißstrom vorkommen.

Die Wirkung des Hochstrom- Schweißens beruht weniger auf der Höhe der angewendeten Schweißleistung als vielmehr auf Ausbildung tief eindringender, schmaler Einbrände.

Die Abb.6 und 7 zeigen den wesentlichen Unterschied in der Wirkung zwischen dem normalen MIG- Lichtbogen und dem Hochstrombogen.

Der feintropfigen, kurzschlußfreien Werkstoffübergang ist beiden eigen. Während aber der normale, breit aufliegende Bogen seine beste Eignung für das Mehrlagenschweißprinzip aufweist und im allgemeinen auch dafür verwendet wird, ist der tiefeingreifende Hochstromlichtbogen besser für das Durchschweißen dicker Querschnitte mit einer einzigen Lage, oder, wie beim UP Verfahren, mit je einer Lage von beiden Seiten geeignet.

Sein größter Vorteil ist seine hohe Wirtschaftlichkeit infolge seiner dem UP- Schweißen nicht nachstehender Schweißleistung, dem sparsamen Aufwand an Zusatzwerkstoff und der simplen und zuverlässigen Durchschweißung.

Das Durchschweißen gegen eine nichtanschmelzende Unterlage kann im Gegensatz zum UP Schweißen bis zu einer beträchtlichen Wanddicke ausgeführt werden.

Das Verfahren bedarf ferner viel weniger Vorwärmung als das Schweißen mit normalem Bogen. Es ist porensicherer und besitzt wenig Neigung, Oxydeinschlüsse in der Nahtwurzel zu bilden.

Die Überleitung vom normalen zum "schneidenden", d.h. tiefeinbrennenden Hochstrombogen wird am einfachsten dadurch erreicht, dass man die Geschwindigkeit der Vorwärtsbewegung und gleichzeitig die Lichtbogenstromstärke erhöht.

Der Übergang zum tiefen Einbrand in der Mitte der aufgeschmolzenen Lichtbogenspur vollzieht sich von selbst. Die Stromdichte auf der flüssigen Kathodenfläche wächst mit dem Strom und quadratisch mit der Abnahme der Breite des abgeschmolzenen Bereiches.

 

MIG Hochstromschweissung von Aluminiumlegierungen

 


Die natürlichen Nahtformen für die Hochstrom- Schweißtechnik sind der I-, Y- und der doppelte Y- Stoß und die Schweißung gegen eine Unterlage oder die Fertigschweißung mit je einer Deck- und Wurzellage....

Vor der Gegenschweißung von Y- Vorbereitung ist es geradezu üblich geworden. die Nahtfuge auszusägen oder zu fräsen.

Der Bedarf an Vorwärmung ist bei Hochstrombogen in der Regel auch bei gut wärmeleitenden Al- Sorten und großen Wanddicken relativ gering und die Sicherheit gegen grobe Porosität groß.

 

Hochstromlichtbogen und normaler MIG Lichtbogen

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Verschiedenste Schliffbilder- Nahtquerschnitte von Hochstromschweißungen

 



MIG- Nahtform der Aluminium Hochstromschweißung

Verschiedene Nahtformen der Aluminium Hochstromschweißung

 


Anmerkung Michael Schaumann:
In der Literatur finden sich keine Eingrenzungen z.B. durch Angabe einer Stromgrenzendichte für die Verfahren Hochstromschweißen und Dickdrahtschweißen.

Im Beispiel von Herr Dr. Mantel liegen die Stromdichten für den Durchmesser 2,4 zwischen 78 und 107 A/qmm und für den Durchmesser 3,2 zwischen 54 und 78 A/qmm.

Ebenfalls wird in der Literatur (z.B. Herr B. Haas) auf die Porenanfälligkeit des Hochstromverfahrens hingewiesen.

Herr Mantel sieht allerdings den Einfluss von Poren auf die Festigkeit als eher gering an und berichtet für das Hochstromverfahren: " die Sicherheit gegen grobe Poren groß sei"

 

 

 
VI. Das Dickdrahtschweißen

In den Vereinigten Staaten wurde in letzter Zeit über eine vierte Art de Al- Schweißens berichtet, die am besten als Dickdrahtschweißen zu bezeichnen ist.

Es soll besonders für das Schweißen schwerster Al- Bleche geeignet sein. Drähte mit 4; 4,8 und 5,6 mm sind vorgesehen. Man belastet mit relativ geringen Stromdichten, so dass ein grobtropfiges Abschmelzen des Drahtes erfolgt.

Es ist durchaus möglich, dass mit so dicken Drähten die Schwierigkeiten des Vorwärmens selbst bei Querschnitten mit mehr als 50mm nicht mehr bestehen, weil der Lichtbogen ausreichend stark ist. Andererseits ergeben sich bei solchen unkritisch belasteten Bögen keine Möglichkeit mehr, bequem von beiden Seiten her dicke Stege durchzuschweißen, wie beim Hochstrombogen. Auch erscheinen dem Verfasser die hierbei entstehenden großen Schweißbäder für legierte Schweißnähte ungünstig.

 


VIII. Porenneigung

Reines Aluminium und Legierungen mit sehr geringem Gehalt an Eutektikum erstarren praktisch ohne Schmelzintervall bei Überschreitung der Schmelztemperatur zu einer festen Masse von unter sich fest eingebundenen Einzelkristallen.

Die Umwandelung vom flüssigen zum verformbaren, festen Aggregatzustand geht also bei einer bestimmten Temperaturspanne vor sich.

Das Gefüge des Reinaluminiums erhält damit unmittelbar nach dem Unterschreiten des Schmelzpunktes genügend Bindung, um verformt werden zu können.

Es besitzt deshalb nur sehr geringe Neigung zu Warmrissen, die übrigens wegen der fehlenden oder sehr kleinen Schmelzintervalle auch nicht angeregt werden.

Die Erstarrung ohne ausreichendes Schmelzintervall verursacht allerdings beim Ausgasen Schwierigkeiten. Reine Metalle sind deshalb porenempfindlicher als Legierungen.

 

 

Gute Metallurgie- Infos - Schweißbarkeit von Aluminiumlegierungen

 


IX. Warmrißneigung

Anders liegen die Verhältnisse bei Legierungen mit geringem Anteil an Eutektikum.

Auch hier erstarrt die Grundmasse schon bald nach Unterschreiten des Schmelzpunktes von Reinaluminium zu einer Masse verschieden orientierter Einzelkristalle. Allerdings sind diese nach Durchschreiten des Schmelzintervalles unter sich noch nicht fest gebunden.

Infolge rascher Abkühlung unterbleibt nämlich der Diffusionsausgleich, so dass die einzelnen Kristallkörner des Gefüges voneinander getrennt sind.

Wenn auch da und dort örtliche, aber leicht zerstörbare interkristalline Bindungen entstehen mögen, kann ein solches Gefüge noch keine Zug- oder Scherbeanspruchungen übertragen.

Erst wenn die eutektische Temperatur unterschritten wird, tritt die Bindung ein, und das Gefüge wird beanspruchbar. Während der Abkühlung durch das Temperaturgebiet zwischen Schmelzpunkt und der eutektische Temperatur entstehen zudem Schrumpf- und Ausdehnungbewegungen innerhalb der Schweißverbindung.

Diese gefährden den Gefügezusammenhang durch Ausbildung klaffender Spalte längs der mit Eutektikum benetzten Korngrenzen (Bild oben).

Nimmt die Masse des Eutektikum zu, so schwimmen die beim Unterschreiten des Soliduspunktes, oder wenn keine festen Lösungen entstehen, bis zur eutektische Temperatur ausgeschiedenen festen Kristalline in der eutektische Schmelze.

Bis zur eutektische Temperatur verhält sich das Gefüge demnach mehr und mehr wie eine Flüssigkeit. Die Erstarrung erfolgt nicht innerhalb eines Temperaturintervalles, sondern bei der eutektische Temperatur. Das bedeutet, dass die Warmrißneigung mit zunehmendem Anteil an Eutektikum immer mehr verschwindet.

Der Zusammenhang der Rißempfindlichkeit mit einem bestimmten Anteil von Eutektikum, d.h. mit einer bestimmten Legierungshöhe, wurde bereits von verschiedenen Forschern untersucht (I.D. Dowd 1952, W.I. Pumphrey 1955). In Abbildung 16 sind die Ergebnisse der bekannt gewordenen Versuche in einem Diagramm zusammengefasst. Darunter sind in einer Tabelle die Gehalte höchster Rißempfindlichkeit und die für die praktischen Zwecke empfohlene Mindesthöhe für Si, Cu und Mg oder Si in SiMg- Legierungen aufgeführt.

 

 

Rißempfindlichkeit von Aluminiumlegierungen

 

Rißempfindlichkeit von Aluminiumlegierungen

 


Für die Praxis ergeben sich aus diesen Untersuchungen verschiedene Folgerungen:

zunächst die Bestätigung einer alten Schweißerregel für Aluminium: danach soll man legiertes Aluminium mit legierten Drähten (gemeint war S AlSi5) und unlegiertes Aluminium mit unlegierten Drähten schweißen.

Darüber hinaus erkennt man aber auch die Möglichkeiten genauer, die Schweißrissneigung zu bekämpfen. Auf einfachste Weise kann durch Auflegieren des Schweißgutes entgegengewirkt werden.

Si ist dabei am wirksamsten. Wie später noch ausgeführt wird, greift man auf Si nur in den Fällen zurück, bei denen keine allzu hohen Festigkeitsanforderungen gestellt werden, manchmal, wenn kein anderer Ausweg bleibt.

Andererseits können aber auch rissempfindliche Zusammensetzungen geschweißt werden.

Man muss nur die Schweißtechnik danach einrichten.

So beachte man, dass vor allem große Schweißbäder und örtliche Überhitzungen vermieden werden und die Schweißung so zügig wie möglich einzubringen ist.

Hauptmerk ist eben darauf zu richten, dass die Schweiße schnell erstarrt, d.h. das der rissgefährdete Temperaturintervall durch überschüssig eingebrachte Wärme eintritt.

 

 

 

X. Korngrenzenlunker

Die Maßnahme, die Rissneigung einer Legierung mit ausreichend höher legiertem Draht zu bekämpfen, beschwört unter Umständen aber gleichzeitig die Neigung zu Korngrenzenbildung herauf, wie oben gezeigt.

..Naheliegenderweise ist die Tendenz bei einem bestimmten Anteil an Eutektikum am größten.

In Schweißungen wird es nämlich niemals gelingen, örtliche Schmelzüberhitzungen zu vermeiden, das bedeutet, dass aus einem zufällig überhitzten Gefügebereich die flüssig bleibende eutektische Korngrenzenmasse abgesaugt wird und Korngrenzenhohlräume entstehen (Abb. 17).

Dem Fehler und seiner Auswirkung kann man wie dem Warmriss sowohl durch geeignete Schweißtechnik als auch metallurgisch durch Mittel begegnen, die z.B. die feinkörnige Gefügeausbildung fördern.

 

 

Mikroschliff Fehler/ Rißempfindlichkeit- Korngrenzenlunker

 


.
.....Die Hauptgesichtspunkte für das Vermeiden von Korngrenzenlunker sind Feinkörnigkeit,

Vermeidung von örtlichen Überhitzungen und großer, langsam erstarrender Schweißschmelzen.

Mittel zur Beeinflussung sind Legierungsbeigaben, die eine natürliche Feinkörnigkeit durch Kristallisationskernbildung fördern, wie z.B. geringe Ti-Gehalte.

Außerdem kann selbstverständlich die Korngröße durch schweißtechnische Maßnahmen fein gehalten werden.

Die Abb.18 zeigt die Gegenüberstellung der beiden Biegeproben. Die eine Probe, die mit wenig Lagen gefüllt wurde, ist trotz guter Verformbarkeit flächenrissig, die andere, mit dünneren und mehr Lagen gefüllte ist beim Biegen glatt und rissfrei geblieben.

 

Makroschliffe Aluminium

 

Nahtfestigkeiten

 


Die höchsten Nahtfestigkeiten in Mehrlagenschweißungen konnten bei der Anwendung Mg- legierter Drähte mit niedrigen bis mittleren Strombelastungen und zügig eingebrachten, nicht gependelten Schweißlagen erhalten werden.

Der Begriff der Schweißbarkeit wäre unvollständig behandelt, wenn man nicht auch das Verhalten der Werkstoffe beim Umschmelzen in der jeweiligen Wärmquelle betrachten würde.

Beim Lichbogenschweißen können z.B. die Zusammensetzungen von Magnesium und zinkhaltigen Legierungen verändert werden, wenn man die leichte Verdampfbarkeit dieser Metalle nicht beachtet. Für sie empfiehlt es sich nicht, die spezifische Belastung des Drahtes zu hoch zu wählen.

Weiterhin können sich bei der Anwendung bestimmter Grundwerkstoffdrahtkombinationen zum Alterungsverspröden neigende Schweißgutzusammensetzungen ergeben. Die Beobachtungen auf diesem Gebiet sind noch nicht ausreichend, um feste Angaben zu machen. Doch kann man schon heute sagen, dass man Mg- legierte Werkstoffe nicht mit Si- legierten Drähten schweißen soll.

 

 


XI. Die Festigkeit von Schweißverbindungen

Langjährige Beobachtungen von Prüfergebnissen an lichtbogengeschweißten Verbindungen von Al-Legierungen bestätigen eine allgemein verbreitete Ansicht, dass Poren die Zerreißfestigkeit nicht wesentlich beeinflussen.

Bemerkenswert ungünstig wirken Gefügefehler und Warmrissigkeit.
Letztere kann ausgedehnt und mit nichtzerstörenden Verfahren kaum nachweisbar auftreten.
Als Risse müssen natürlich auch die gelegentlich vorkommenden Oxydeinschlüsse betrachtet werden..
Die Auswirkungen dieser Fehlerstellen vermindern Festigkeit und 0,2% Dehngrenze, insbesondere aber auch das Verformungsvermögen.....
Von besonderer Wichtigkeit ist, dass bei dieser Entwicklung der Vermeidung von Gefügerissen in Zerreis- und Biegeproben viel mehr Bedeutung zukam als der Porenfreiheit.

Der Verfasser glaubt weiterhin,
dass zum Nachweis der Qualität von Schweißverbindungen aus Al- Legierungen der Zerreißprobe aus dem Schweißgut und Zerreiß- und Biegeproben quer zur Verbindung ausreichen.

Die Prüfung der Kerbschlagzähigkeit hat an Lichtbogenschweißungen irreführende Ergebnisse gebracht, weil z.B. feine Gefügerissigkeit eine Verbesserung der Kerbzähigkeit vortäuscht....

Für die Schweißungen von Reinaluminium Al99,8;Al99,5 und Al99 bewährte sich am besten der Schweißdraht S Al99,5 Ti.

Qualitätsdrähte dieser Art werden sowohl mit spezialgebeizter als auch in geschälter Ausführung auf den Markt gebracht.

Der Ti- Zusatz zur Drahtlegierung sichert die feinkörnige Erstarrung des Schweißgutes.

Die gewährleistete Feinkörnigkeit dieses Drahtes macht ihn sogar bei einiger Sorgfalt für die Schweißung der rissempfindlichen, niedriglegierten AlMgSi- und AlMg- Legierungen anwendbar.

Zum Schweißen von AlMgSi- und AlMg3Si verwendet man der Einfachheit halber am liebsten den Schweißzusatzdraht S- AlSi 5.

Die hierbei erzielten Festigkeiten sind nicht besonders hoch. Ausgesprochen schlecht fällt aber die Verformbarkeit solcher Verbindungen aus.

Man weicht deshalb gern auf die Anwendung von S AlMg5 aus, erhält dabei höhere Festigkeit und gut verformbare Verbindung, muss jedoch höhere Warmrißneigung beobachten.

Die AlMg-3-Gruppe und die höher Mg- legierten Werkstoffe sollen immer mit S AlMg5 geschweißt werden.

Zu bemerken ist hier,

dass in AlMg4 bis AlMg4,5 sich immer mehr als Werkstoff für Druckbehälter und für den Schiffsbau einführt. Der Schweißdraht S AlMg5 in einigen Variationen ist für diese Werkstoffgruppe zur Standartqualität geworden

 


XII. Zusammenfassung

Die Problematik der Al- Schweißung mit dem Metallichtbogen in Edelgas wird aufgezeigt und Mittel und Verfahren zur Vermeidung von Poren und Oxydeinschlüssen angegeben.

Im Zusammenhang hiermit beschreiben die Ausführungen die verschiedenartigen Verfahrenstechniken ihre Besonderheiten und ihren zweckmäßigen Einsatz.

Sodann werden die Fragen der Schweißbarkeit der verschiedenen Aluminium Legierungen systematisch überprüft und für den praktischen Einsatz von Zusatzwerkstoffen und Verfahren Schlüsse gezogen.

Abschließend sind Grundwerkstoff-Drahtkombinationen, die heute zu erwartenden physikalischen Eigenschaften geschildert und künftige Entwicklungen angedeutet.

 

 

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